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Etappe 1 - Sonnabend 2. Januar 2010 | Buenos Aires (Colon) > Cordoba

  • Verbindung 317 km
  • Spezial 219 km
  • Verbindung  84 km

Film zur Etappe

Der groβe Bluff von Casteu, Roma mit Double in Cordoba

Am Lenker einer brandneuen 450ccm-Maschine hat David Casteu bei der ersten Etappe der Dakar für Verwirrung gesorgt. Nach dem Erreichen der besten Tageszeit hat er sich an die Spitze des Rennens gesetzt, vor die beiden Favoriten Cyril Despres und Marc Coma. Bei den Autos hat Joan „Nani“ Roma seinen zweiten Etappensieg bei den Pkw verbucht. In Cordoba, genau wie 2009. Bei den Lastwagen hat Wladimir Chagin die Führung bei der Rallye übernommen, mit 27" Vorsprung auf Ales Loprais. Erschüttert wurde die Rallye dann zum Ende des Tages durch die Nachricht vom Tode einer 28jährigen Zuschauerin, die von einem im Rennen engagierten Team angefahren wurde (siehe Sondermitteilung).

Der Mann ist immer für Überraschungen gut. Wie etwa durch den Start des Abenteuers, - mit dem französischen Hersteller Sherco - ein eigenes Team zu gründen und die Gelegenheit des in naher Zukunft für alle Teilnehmer anstehenden Übergangs zu den 450ern zu nutzen. David Casteu, der ewige Unparteiische am Rande der Auseinandersetzungen zwischen Cyril Despres und Marc Coma, 2. bei der Dakar im Jahre 2007 und 4. in 2009, hat sich entschieden, seine Rivalen auf einer komplett neu konzipierten und leistungsschwächeren Maschine herauszufordern. Der Weg ist noch lang, doch der Wagemut ist mit dem Sieg bei der ersten Spezialwertung dieser Auflage 2010 belohnt worden, bei welcher der Fahrer aus Nizza die beste Tageszeit erzielen konnte, mit 3" Vorsprung auf Cyril Despres und 12" auf Titelträger Marc Coma. Der Abstand ist winzig angesichts des noch anstehenden Programms, doch symbolisch gesehen ist dies ein bedeutender Erfolg für den tapferen David.

Am frühen Morgen hatte ein letztes Gespräch Casteus mit seinem Mechaniker ihn überzeugt, zwischen Colon und Cordoba etwas zu versuchen. Auf den verbleibenden 168 Kilometern der wegen Überschwemmungen zu Beginn der Sonderprüfung gekürzten Etappe hat sich der ewige Outsider seine einzige Devise vor Augen gehalten: "Angriff, Angriff, Angriff". Und letztlich gewinnt Casteu die 2. Spezialwertung in seiner Laufbahn bei der Dakar, und das mit der zusätzlichen Genugtuung, den KTM 690er-Fahrern einen ersten Rückschlag versetzt zu haben. In der Konfrontationsreihe, die sich zwischen den "groβen" und den "kleinen" abzeichnet, hat sich David Frétigné auf seiner Yamaha 450cc diesmal disketer gezeigt als Casteu, nachdem er die Etappe mit knapp drei Minuten Rückstand an 6. Position in der Tageswertung beendet hat. Im Rahmen der Rückkehr von Aprilia bei der Dakar erringt Francisco Lopez, ebenfalls auf einer 450er, den fünften Platz, mit 2’42’’ Rückstand auf Casteu, aber auch knapp einer Minute auf den viertplatzierten Jordi Viladoms.

Nachdem er 12 Etappensiege auf dem Motorrad errungen hat, erlebt Joan « Nani » Roma nun auch ein "Double" bei den Autos, indem er die heutige Spezialwertung gewonnen hat. Für den ehemaligen Sieger bei den Bikern (2004) hat die heutige Leistung ein ganz besonderes Flair, ein Jahr nach der Bestzeit bei der vorangehenden Sonderprüfung auf dem Weg nach Cordoba. Seinerzeit handelte es sich um einen der seltenen Tage, die für den Mitsubishi-Clan, in dem er seine zweite Karriere begonnen hat, erinnernswert waren. Diesmal ist Roma mit seinem Komplizen Stéphane Peterhansel zum BMW X-Raid Team gestoβen, wo beide mehrere Wochen mit der Optimierung der Einstellungen des Potenzials des X3 verbracht haben. Der zum Abschluss dieser Spezialwertung von 199 Kilometern erzielte Erfolg erweist sich somit als Belohung für die geleistete Arbeit und als Zeichen einer Erneuerung. Denn derjenige, der künftig der "King" von Cordoba genannt werden wird, hat die Führung in der Gesamtwertung auch mit Stil erobert: er liegt 2’07" vor Carlos Sainz, während Stéphane Peterhansel BMW mit seinem dritten Platz mit 2’50" Rückstand einen zweiten Grund zur Zufriedenheit beschert.

Trotz des Glanzstücks von Roma fällt die Bilanz bei den Rivalen von Volkswagen dennoch nicht alarmierend aus, denn Nasser Al Attiyah (3’29’’ zurück) und Giniel De Villiers (4’31’’) vervollständigen die Top 5. Im übrigen ist jetzt schon abzusehen, dass die Zuverlässigkeit und die kleinen mechanischen Probleme im gesamten Rennverlauf eine Rolle spielen werden. Das Team X-Raid hat mit wiederholten Motorausfällen, wegen derer Guerlain Chicherit dreissig Kilomter vor dem Ziel längere Zeit zum Stillstand gekommen ist, schon einen ersten Rückschlag erlitten.

Beim Rennen der Lastwagen hat Wladimir Chagin - wie gewohnt - autoritär das Tempo vorgegeben. Der Kapitän der Kamaz-Mannschaft liegt vor Ales Loprais, der sich mit nur 27" Rückstand bereits als sein bedrohlichster Widersacher positioniert. Aber das historische Augenzwinkern geht an den "Zaren". Die beiden letzten Male, dass er sich bei der ersten Etappe der Dakar durchgesetzt hat, und zwar 2006 in Portimao und 2004 in Narbonne, hat Chagin den Wettbewerb auch als Sieger beendet. Dies ist vielleicht schon ein erster Hinweis auf seinen 6. Gesamtsieg!